Hufnagelschule

Hufnagelschule

Irmgard Dobislav war 1963-1968 die Leiterin der Hufnagelschule

90. Geburtstag bei Irmgard Dobislav (2005)


Bad Vilbel: Ihre ehemaligen Schülerinnen vom Stadtschuljahrgang 1938 verehren Irmgard Dobislav bis heute ungebrochen. Die beliebte Pädagogin, „ein echtes Vilbeler Mädche“ wie Bürgermeister Georg Muth stets zu sagen pflegte, unterrichtete die 50 Schülerinnen ihrer ersten Klasse fünf Jahre lang. „Fräulein Schwarz“ begleitete ihre Schülerinnen von der fünften bis zur achten Klasse, ermunterte sie stets etwas aus sich zu machen und war immer für sie da.
Schulrat und Eltern trotze sie die Erlaubnis ab, mit „ihren Mädchen“ eine zweitägige Wanderung an den Rhein zu machen. „Ziel war Rüdesheim, übernachtet haben wir in der Jugendherberge in Assmannshausen. Dies war für die damalige Zeit eine Sensation. Übernachtungen außerhalb des Elternhauses waren für Mädchen nicht üblich.“ Verbunden fühlen sich Schülerinnen und Lehrerin bis heute auch noch mit dem ehemaligen Volkshaus, dem heutigen Kurhaus, wo sie regelmäßig Theaterstücke aufführten. Das verbindet und so nimmt die ehemalige Lehrerin bis heute als gern gesehener Gast an den monatlichen Jahrgangstreffen teil. 

 

Zum 90. Geburtstag von Irmgard Dobislav hatten sich allein 43 Schülerinnen aus ihrer ersten Klasse zur Gratulation angesagt. Wie beliebt das Geburtstagskind in ihrer Heimatstadt und weit darüber hinaus ist, zeigte sich unter anderem daran, dass sich am Montag den ganzen Tag über Gratulanten in der Niddastrasse 10 die Klinke in die Hand gaben. Zu den ersten Gratulanten gehörten Nachbar und Ehrenstadtrat Helmut Lehr und seine Frau Inge, eine der Schülerinnen aus dem Jahrgang 1938, der örtliche SPD Vorsitzende Udo Landgrebe und Dr. Hans-Ulrich Callies, Vorsitzender der SPD Fraktion im Stadtparlament. Irmgard Dobislav ist seit 1964 Mitglied in der SPD und fast genauso lange in der GEW. 

Kommunalpolitik gehört schon immer zum Steckenpferd der engagierte Sozialdemokratin und Gewerkschafterin, die bis heute im Wahlkampf aktiv ist und seit ihrer Pensionierung 1978, die GEW-Pensionäre im Kreis betreut. „Ich möchte dieses Amt gerne in jüngere Hände übergeben, falls ich endlich einen geeigneten Nachfolger finde“, erklärt sie. Ihre Karriere als Lehrerin, langjährige Rektorin und erste Schulrätin im Kreis Hanau / Main-Kinzig, verdankte die kleine Irmgard ihrem Großvater Eduard Mühlschwein. Der weitsichtige Mann leitete nicht nur die Geschicke der Stadt von 1895 bis 1913 als Bürgermeister, sondern förderte auch seine intelligente Enkelin. 

Von ihrem Vater, der gemeinsam mit seinem Bruder das bekannte „Kaufhaus Schwarz“ in der Innenstadt führte (am heutigen Standort des „Früchteparadieses“), hört die Tochter stets nur: „Hilf, deiner Mutter“. Ihr Vater habe sich stets nur auf die Ausbildung ihres Bruders Helmut konzentriert, der mit 13 Jahren ein Fahrrad bekam. „Mir hat später mein Opa eins geschenkt“, erinnert sich die Enkelin noch heute. Eduard Mühlschwein ermöglichte seiner Enkelin den Besuch der Höheren Bürgerschule in Frankfurt, wo sie ihr „Einjähriges“ bestand und anschließend das Abitur am naturwissenschaftlichen Zweig an der Ziehen Oberrealschule. „Das waren Privatschulen, da musste Schulgeld bezahlt werden. 

Einer meiner Klassenkameraden war Hermann Muth, der später als Professor in Homburg/Saar unterrichtete.“ „Ich war schon als ABC-Schütze von der Schule begeistert. Ich bin die geborene Lehrerin und habe unsere jüngeren Nachbarkinder schon früh in Französisch, meiner ersten Fremdsprache, unterrichtet.“ Nach dem Abitur studierte die junge Frau in Darmstadt an der Hochschule für Lehrerbildung Mathematik und Physik. Nach dem ersten Staatsexamen 1938 fing sie mit 100 Mark Lohn und acht Tage Urlaub, 1938 als Lehrerin in der Stadtschule an.

Ihr zweites Staatsexamen bestand sie 1941 an der „runden Turmschule“ in Friedberg. „Dort saßen im ersten Schuljahr 48 Schüler und im zweiten 52 Schüler in einer Klasse, ich trohnte auf einem Podest über ihnen, damit ich alle im Auge behalten konnte.“ „Dienstags habe ich meine Prüfung gemacht, Freitagvormittag meinen Mann Willy standesamtlich geheiratet und samstags wieder unterrichtet. Vom Schulrat Kröth, einem aufrechten Katholiken, bekam ich zur Hochzeit acht Tage Sonderurlaub geschenkt.“ 

Tochter Hiltrud, die lange Jahre als Lehrerin an der Ernst-Reuter-Schule unterrichtete, wurde 1942 geboren, und Sohn Wolfram, der Chemielaborant bei Cassella war, 1944. Seinen Vater hat er nie gesehen, er fiel im gleichen Jahr. Die junge Lehrerin, die im Realschulzweig der Stadtschule unterrichtete, ließ sich bis Kriegsende freistellen. Ab 1948 unterrichtete sie wieder an der Stadtschule, um ihre Familie zu ernähren, und studierte nebenbei an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Physik und Mathematik. Von 1963 bis 1968 war Irmgard Dobislav Rektorin an der Hufnagelschule im Gallusviertel und von 1968 bis 1978 die erste Schulrätin im Landkreis Hanau. 

Neuerungen stets aufgeschlossen war sie bei Schülern und Kollegen gleichermaßen beliebt. Die 90-Jährige ist geistig und körperlich fit. „Seit ich Schulrätin wurde, mache ich jeden Morgen eine halbe Stunde Gymnastik. Ich brauche Bewegung. Im Urlaub gehe ich Wandern oder besichtige Städte. Schon als junge Lehrerin mit kleinem Gehalt habe ich beschlossen, dass ich einmal ein teurer Pensionär werden will“, schmunzelt das Neuerungen stets aufgeschlossene Geburtstagskind im Kreise seiner Schülerinnen.

Quellenhinweis:

Christine Fauerbach
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22.12.2005


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